2 : 8

Zwei brauchbaren Menschen stehen da draußen acht Dummköpfe entgegen. Aber zunächst: Was ist eigentlich ein Dummkopf? Um diese Frage essenziell zu beantworten muss man natürlich das, was man als Dummkopf beschreibt, selbst in sich haben. Wenn ich zum Beispiel die Qualität der englischen Sprachkenntnisse von einem anderen Menschen bewerten will, sollte ich die englische Sprache beherrschen – richtig?

Natürlich bin ich auch ein Dummkopf. Der richtige Dummkopf jedoch ist vor allem der, der eben nur Dummkopf ist, nicht keine Fitzel mehr als Dummkopf.

Eine Dummkopf lässt sich unter anderem wie folgt definieren:

1. Ein Dummkopf hat keinen Begriff von ‚Denken‘ (fragen Sie ihn danach, kommt als Antwort: pffff…)

2. Ein Dummkopf stellt seine eigenen Positionen und Meinungen (zwanghaft) nicht in Frage (kann er nicht, will er nicht).

3. Stellt ein anderer die Positionen und Meinungen eines Dummkopfes in Frage, reagiert er wütend bis aggressiv (und zwar ausschließlich).

4. Ein Dummkopf hat immer die richtigen Meinungen und weiß fast alles.

5. Ein Dummkopf wertet gerne Fremde, vor allem Ausländer, ab, war aber (außer im umhegten Touristenressort) noch nie im Ausland. Zusammengefasst: Ein Dummkopf hasst, was er nicht kennt.

6. Die sinnliche Wahrnehmung eines Dummkopfes endet ungefähr bei seiner Nasenspitze.

7. Ein Dummkopf ist nicht in der Lage, ein Thema (welches auch immer) umfassender zu besprechen.

8. Ein Dummkopf steckt seinen Kopf lieber in eine Mülltonne, als seine Nase in ein Buch.

9. Ein Dummkopf hat meistens Minderwertigkeitskomplexe, die er durch überzogenen Narzissmus zu kompensieren versucht.

10. Ein Dummkopf ist oft in einer tendenziell lieblosen Umgebung groß geworden.

11. Ein Dummkopf ist meistens ein Angsthase, der ihn ständig als harten Kerl auftreten lässt.

12. Ein Dummkopf kennt nichts von der Kultur und Geschichte der Mitmenschen, die seinen Lebensbereich bevölkern, von ausländischer Kultur und Geschichte weiß er weniger als nichts.

13. Ein Dummkopf hält die Erde also für eine Scheibe.

14. Der Bildungsstand eines Dummkopfs ist meistens gering bis sehr gering (was Punkt 4 widerspricht, aber das Missverhältnis zwischen Anspruch und Wirklichkeit deutlich macht).

15. Ein Dummkopf sucht die Freude und das Glück meistens dort, wo weder Freude noch Glück zu finden sind.

16. Ein Dummkopf ist, was soziales Wachstum und Bildung und persönliche Entwicklung betriff ein Benachteiligter.

17. Ein Dummkopf ist nicht in der Lage, sich als Dummkopf zu sehen und bleibt somit bis zu seinem Lebensende in seiner Dummköpfigkeit gefangen (tragisch).

18. Wenn ein Dummkopf Bregenwurst isst, hat er mehr Gehirn in seinem Bauch als in seinem Kopf.

Summa summarum: Ein Dummkopf ist eine tragische Figur.

 

So, das waren einige Punkte, um Ihnen eine Andeutung davon zu geben, was ich unter einem Dummkopf verstehe, da ich nicht daran vorbei komme, ab und an von ihnen zu sprechen.

Die Gegenwart von Dummköpfen macht das Leben einigermaßen zäh. Ignorieren kann man sie nicht so richtig, aber mit ihnen anzufangen ist auch nichts – keine Behandlung eines Themas, keine gemeinsamen Projekte (außer Drogen- und Alkoholmissbrauch oder irgendeinen Missbrauch anderer Art), nix.

Das Problem ist nun, dass man bei einer Wahrscheinlichkeit von 8 : 2 Gefahr läuft, alle Menschen für Dummköpfe zu halten. Begegne ich während eines Spaziergangs zum Beispiel drei Menschen, dann gehe ich mittlerweile davon aus, dass es sich um Dummköpfe handelt und gehe mit der inneren Haltung an ihnen vorbei, welche ihnen signalisiert, mich besser nicht anzusprechen.

Das ist natürlich etwas dummköpfig, denn von 10 Begegnungen, sind, der Wahrscheinlichkeit nach, 2 brauchbare Begegnungen möglich. Und die vermasselt man sich mit meiner eben beschriebenen Haltung während des Spaziergangs (ist ja Wahrscheinlichkeit – darüber wissen Dummköpfe übrigens auch nichts) .

Heute hatte ich so eine Situation, dass ich einen Jogger als Dummkopf rahmte und sicher dieser als voraussichtlich brauchbarer Mitmensch darstellte. Die Begegnung stellte sich als sehr erfreulich heraus und belehrend. Sie zeigte mir (wieder mal) die Schwächen meines Verhaltens, sodass ich zukünftig etwas anders eingestellt auf Begegnungen zugehen werde.

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