Spaziergang for ever

Spazieren gehen ist eine Kunst. Das Wort ’spazieren‘ stammt aus dem Mittelhochdeutschen – spacieren – und dies wiederum aus dem Italienischen – spaziare (umherschweifen) – oder direkt aus dem Lateinischen – spatiari (mit gemessenen Schritten einhergehen).

Man geht also gemessenen Schrittes umher. Das ist zunächst einmal sehr einfach. Schwieriger wird es schon bei der Wahl des Ortes, an dem man gemessenen Schrittes einhergeht. Für mich ist der Ort erste Wahl, an dem sowenig wie möglich Menschen sind. Mitunter schlendere ich auch durch Städte, aber das ertrage ich auf die Dauer nicht.

Ein Spaziergang ist für mich zunächst Bewegung. Allerdings Bewegung, ohne Keuchen und Strömen an Schweiß. Ich nenne es mal ‚Abschlaffen in Bewegung‘. Das tue ich am liebsten im Wald oder am Waldrand, bei 16 Grad Celsius oder kälter und feuchtem Wetter.

Hat man die Wahl des Ortes geklärt, folgte die Frage, ob man mit oder ohne Begleitung geht. In meinem Umfeld hat kaum jemand die Muße für das Spazierengehen, bzw. keine Zeit dafür. Da ich jedoch Bewegung brauche und allein spazieren zu gehen mich auf die Dauer melancholischer macht, als mir gut tut, habe ich mir die beste Gesellschaft für das Spazierengehen angelacht, die sich, nach einem verständigen Menschen, denken lässt.

Alina und Lea oder ‚Blondi‘ und ‚Yoda‘- zwei schlaue, rumänische Straßenhunde. In ihrer Heimat waren sie schon in der Todeszelle, bis sie eine engagierte Tierfreundin aufspürte und nach Deutschland exportierte. Alina, der Kurzhaarcolli, ist circa vier Jahre alt und etwas distanziert, hat ihren eigenen Kopf und unser Umgang ist durch Kooperation geprägt. Der Holländische Schäferhund Lea ist circa eineinhalb Jahre alt, sehr knuddelig und immer parat.

Das Angenehme an dieser Gesellschaft ist, dass beide Hunde immer freundlich zu mir sind. Ihre positive Zugewandheit unterscheidet sie sehr von vielen meiner Mitmenschen, die meist launisch und desinteressiert sind, die ein verbrettertes Gehirn haben und mich (sprachlich) genausowenig verstehen wie meine beiden Hunde. Da ziehe ich selbstverständlich das freundliche Wesen meiner Schäferhunde vor.

Zusammen kommen die beiden übrigens auch gut klar. Ihr gemeinsames Spiel ist zwar mitunter rauh, aber vorsichtig und der eine achtet auf den anderen.

Soviel erstmal zu meinen beiden Begleiterinnen.

Sie kommen also immer mit, wenn ich mich auf den Weg mache, meinen Knochen Bewegung zu verschaffen und meine Seele ein wenig auszulüften. Ein Grund, Menschen bei diesem Akt zu meiden, verdeutlicht vielleicht folgendes Bild.

Das Spazierengehen ist, von solchen Phänomenen wie gezeigt abgesehen, eine gute Möglichkeit, seine Gedankenvielfalt zu reduzieren. Am besten wäre das ‚Nichtdenken‘, aber das hat sich ja schon in dem Moment erledigt, an dem es einem auffällt. Das ‚Nichtdenken‘ ist ja eines der Ziele vieler Meditationsweltmeister, aber zu denen gehöre ich nicht. So ein paar Restgedanken sind, meine ich, schon o. k.

Um den Spaziergängen ein gewisses Mehr an Qualität zukommen zu lassen, empfiehlt sich ein Wechsel der Orte. Einer meiner bevorzugten ist der Weg entlang eines Sportflughafens in meiner nahen Umgebung. Dort habe ich viel freie Sicht, dort bin ich dicht am Wald und Menschen sind rar. Der einzige Wehmutstropfen ist der, dass an diesem Ort bis 1945 tausende Zwangsarbeiterinnen unter KZ-Bedingungen Flugzeugteile fertigten – manchmal meine ich im dunklen Wald ihre klagenden Stimmen zu vernehmen…

Aber welcher Ort ist nicht negativ vorbelastet, quoll doch im ‚Dritten Reich‘ in jeder Ansiedlung Deutschlands das Primitive aus jeder Rizze, so, wie es das heutzutage in vielen Teilen Ostdeutschlands erneut der Fall ist. Sie sehen, die Masse der Menschen ist noch genauso ungebildet wie vor 80 oder 800 Jahren, die Wahrscheinlichkeit einen ertäglichen Mitspaziergänger zu finden, eher sehr gering.

Das ist jedoch alles nichts Neues und sich über die Ungeeignetheit seiner Mitmenschen für das Spazierengehen aufzuregen, wäre ungefähr so, als besuchte man täglich eine Irrenanstalt und würde über die Verrückten dort klagen.

Natürlich nehme ich maximal einen Fotoapparat zum Spazierengehen mit, denn meine Begleitung bedarf einer wachen Aufmerksamkeit. Auch Hunde merken, ob man mit ihnen geht oder sie einfach nur in die Landschaft schmeißt, um sich dann seinem Smartphone zu widmen.

 

Vielleicht noch ein paar Worte zu den Bildern in meinen Artikeln. Die Fotos in diesem Artikel und den vorherigen und den folgenden sind nicht von hoher Qualität. Das hat seinen Grund darin, dass ich, wenn ich unterwegs bin, nur den notwendigsten Krempel mitnehmen will. Also bediene ich mich einer ‚Canon Ixus 175‘, die in jede Tasche passt und bei Bedarf sofort einsatzbereit ist. Die Bildqualität dieses Apparates halte ich für ausreichend. Denn zum Einen ist die Wirklichkeit selten bis nie Hochglanz (wenn doch, dann vorsicht!) und im Grunde reichen Andeutungen, um anderen zu vermitteln, was gemeint ist. Man muss auch nicht mit Bildern alles haarklein und zigfach darstellen, schließlich sind die Leser dieses blogs, wie auch die von benzin-pur.de und cross-croquet-association.de (der übrigens bald etwas mehr Leben eingehaucht bekommt) denkende Wesen. Wer zum Nichtdenken neigt, wird vermutlich nicht einen Satz meiner blogs überleben.

Ihnen wünsche ich ein gutes Leben, ein langes Leben und weitere Gemeinsamkeiten auf meinen Seiten, verbindlichst, Ihr Jörg Baumann.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.